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13. Kulturland Niedersachsen


Für die FDP sind Kunst und Kultur von zentraler Bedeutung für das Land und die Bürger in Niedersachsen. Als Nährboden für eine liberale, tolerante Gesellschaft bilden sie einen Gegenpol zu Gewalt, Gleichgültigkeit und Gleichförmigkeit. Unsere reiche Kulturlandschaft ist die Grundvoraussetzung für die kulturelle Identität der Menschen in Niedersachsen und stärkt die Heimatverbundenheit. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur bindet dauerhaft demokratische Wertvorstellungen und ist wichtiges Element umfassender Bildung für Menschen jeden Alters. Sie stiftet Identifikation und stärkt damit die Verantwortung eines jeden für die Region. Die freie, unzensierte Entwicklung der Kunst ist sowohl in der Breite als auch in der Spitze zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt der Kulturpolitik stehen sowohl das Bewahrung des kulturellen Erbes als auch die Schaffung von Rahmenbedingungen für neue Entwicklungen. Wir wollen, dass die Regionen Niedersachsens mit ihrem breiten Spektrum öffentlicher und privater Angebote als lebendige Kulturräume begreifbar und erfahrbar gemacht werden.

Nicht zu unterschätzen ist auch die positive Wirkung eines reichhaltigen Kulturangebotes auf die Ansiedlung von Unternehmen und Organisationen in unserem Lande.

Kulturhaushalt und Förderrichtlinien

Die Förderung und der Schutz von Kunst und Kultur sind auf Landes-, Gemeinde- und Landkreisebene in der Niedersächsischen Verfassung als Pflichtaufgaben verankert.

Die verlässliche Finanzierung von Kultur durch das Land trägt wesentlich dazu bei, das Engagement kommunaler und privater Kulturträger zu erhalten und zu verstetigen.

Die FDP fordert daher,
  • dass die finanzielle Beteiligung des Landes auf dem Kultursektor in vollem Umfang erhalten bleibt und mittelfristig gesteigert wird. Die Förderung aus öffentlichen Mitteln und unterschiedlichen staatsnahen Stiftungen führt zu einem zu hohen Verwaltungsaufwand auf der Seite der Kulturanbieter und der Zuwendungsgeber. Die FDP strebt daher an, die Kulturförderung übersichtlicher zu gestalten und die Verantwortlichkeiten klar zu gliedern.

Wir fordern:
  • Der effektive Einsatz der knappen Mittel muss laufend überprüft werden. Das erfordert die in Zusammenarbeit mit Fachleuten erarbeitete Qualitätsstandards und Leistungs-vereinbarungen im Bereich der kurzfristigen wie der Projektförderung.
  • Der Umfang und die Art der Mittelgewährung sind transparent zu machen und nachvollziehbar zu begründen.
  • Öffentliche Zuwendungen sollten auch über ein Haushaltsjahr hinaus verlässlich sein, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Die Kulturarbeit darf nicht durch Verzögerungen bei der Freigabe der Mittel behindert werden.
  • Initiativen zur Verbesserung der Finanzlage werden belohnt. Das Einwerben von Geldern durch Sponsoring oder Fundraising darf nicht mit einer Kürzung der öffentlichen Mittel einhergehen.
  • Modelle öffentlich-privater Partnerschaft sollen z. B. für Kulturmarketing, Sanierungen oder Ausbau der Versorgungseinrichtungen verstärkt geprüft werden.

Öffentlich geförderte Institutionen sollen daran gemessen werden, ob und auf welche Weise es ihnen gelingt, qualitätvolle Arbeit zu vermitteln und öffentliche Akzeptanz zu finden.

Wir fordern:
  • Es werden Projekte unterstützt, die die Bevölkerung zielgruppenbezogen zur Auseinandersetzung mit den kulturellen Angeboten einladen. Von besonderer Bedeutung sind Ansätze, die Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft verbinden.
  • Die Zielvereinbarungen zur Regionalisierung der Kulturförderung, die mit den Landschaften, den Landschaftsverbänden, der Region Hannover und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz getroffen wurden, sind zu überprüfen und weiterzuentwickeln. In bewährten Strukturen soll die regionale Verantwortlichkeit weiter gestärkt werden.

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Kulturelle Netzwerke für Theater und Museen

Niedersachsen hat eine historisch gewachsene reiche Theaterlandschaft aus Staatstheatern, kommunalen Theatern, Landesbühnen und Freien Theatern mit einem Angebot, das es zu erhalten und zu fördern gilt.

Die FDP will das Angebot auch außerhalb der Ballungsräume sicherstellen. Für freie Theater und andere freie Kulturanbieter ist eine verlässliche Förderkulisse insbesondere für die Erarbeitung neuer Konzepte zu gewährleisten. Wir setzen auf eine Vernetzung kommunaler Kulturangebote mit Produktionen des Landes. Engere Kooperationen, auch über die Landesgrenzen hinaus, können eine Verbesserung des flächendeckenden Kulturangebotes bewirken.

Neben der finanziellen Unterstützung der öffentlichen Museen soll der eingeschlagene Weg der Stärkung nichtstaatlicher Museen durch fachliche Qualifizierung fortgesetzt werden. Das Projekt der Fachverbände für die Registrierung und Zertifizierung der Museen findet grundsätzlich Unterstützung. Anerkannten kleineren Einrichtungen ist in dem Bestreben zur Verbesserung der Qualitätsstandards gezielte Beratung zukommen zu lassen.

Die Fülle des Angebots sollte durch die Einrichtung eines umfassenden Internetportals veranschaulicht werden. Hierin sollte auch über die Möglichkeiten zur Förderung und Verknüpfung geplanter Vorhaben und Projekte informiert werden.

Durch Initiativen wie Musealog oder Regialog werden Angebote von Kultureinrichtungen zielgruppenbezogen bekannt gemacht und in enge Beziehung zu touristischen Entwicklungsmöglichkeiten gesetzt. Diese Maßnahmen haben sich bewährt und sollen ausgebaut werden.

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Kulturelle Bildung

Liberale sind für langfristig gefestigte Allianzen zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen. Diese umfassen die Zusammenarbeit von Schulen mit musealen Einrichtungen, mit Kunst-, Theater-, Musik- und Tanzschulen sowie mit Bibliotheken.

Der Erwerb kultureller Kompetenz im Sinne lebenslangen Lernens ist die Voraussetzung für die lokale Verankerung der Menschen und befähigt gleichzeitig zur Orientierung in einer globalisierten Gemeinschaft. Kulturelle Bildung schafft für beides die notwendige geistige Freiheit.

Die FDP fordert:
  • In den Schulen muss die musische und kulturelle Bildung zunehmend als Aufgabe für alle Jahrgangsstufen und Schulformen verankert werden. Junge Menschen sollen stärker als bisher mit kulturellen Traditionen und Leistungen vertraut werden und die Möglichkeiten erhalten, selbst kreativ zu arbeiten.
  • Bei Angeboten kultureller Jugendbildung, die der freiwilligen Teilnahme bedürfen, muss die Zugangsschwelle niedrig angesetzt werden.
  • Um Erzieher zu befähigen, aktives künstlerisches Gestalten und Musizieren im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bildungsbereich zu vermitteln, sind die Elemente kultureller Kompetenz in der Ausbildung zu Erziehungsberufen zu verstärken. Die zunehmenden Defizite in der Sprach- und Lesekompetenz nicht nur von jungen Menschen machen eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und mit öffentlichen Mitteln geförderten Büchereien und Bibliotheken erforderlich.
  • Die Angebote der Bibliotheken sollen sinnvoll und dauerhaft als ein wiederkehrendes Element in den Unterricht aller Jahrgangsstufen integriert werden. Dazu gehören Leseaktionen, Recherchen und die aktive Auseinandersetzung mit literarischen Texten auch im Rahmen von Projekten für szenisches Gestalten.
  • Im ländlichen Raum bedarf es einer Stärkung von Bibliotheken mittlerer Größe. Mit dem Baubeginn der seit Jahrzehnten geforderten Landesmusikakademie haben wir ein Zeichen für die Bedeutung der kulturellen Bildung in Niedersachsen gesetzt. Zusammen mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung verfügt Niedersachsen über hochwertige Zentren für die Weiterbildung im kulturellen Bereich.
  • Das Angebot soll für alle Menschen, die sich beruflich oder in der Freizeit mit künstlerischem Tun oder kulturellen Erfahrungen beschäftigt, zugänglich sein.
  • Die Studiengänge für Kulturwissenschaften sind zu erhalten und zu stärken.

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Gesellschaftliche Kräfte aktivieren

Kultur lebt nur durch das Zusammenwirken öffentlich geförderter Einrichtungen und dem Einsatz zivilgesellschaftlicher Akteure, denn viele Einrichtungen können ohne bürgerschaftliche Mithilfe und privatwirtschaftliches Engagement nicht existieren.

Daher fordern wir:
  • Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Entwicklung von Kunst und Kultur einsetzen, sind als Spender von Zeit oder Geld grundsätzlich zu wertschätzen. Sie sind umfassender zu beraten und zu unterstützen als bisher. Die Anreize für ein ehrenamtliches Engagement im Kulturbereich sind weiter zu verstärken.
  • Sich frei entwickelnde Kunst und Kultur gibt der Gesellschaft wichtige Impulse, die durch das Land verstärkt werden sollen. Wettbewerbe, Ausstellungen, Stipendien insbesondere für Nachwuchstalente sollen vermehrt gefördert werden.
  • Das Land wird sich auf Bundesebene für eine Weiterentwicklung des Stiftungsrechtes einsetzen, damit privates Kapital für die Förderung von Kunst und Kultur gewonnen werden kann.
  • Auf Basis der eigenen Kultur die Auseinandersetzung mit dem Fremden befördern. Der verstärkte interkulturelle Dialog wirkt einer Spaltung der Gesellschaft entgegen und sichert Freiheit und Frieden.
  • Städte und Gemeinden sollten bei der Entwicklung interkultureller Konzepte und einer aktiven Integrationspolitik Beratung und Unterstützung erfahren. Programme und vorbildliche Projekte zum Kulturaustausch sind auch in der Fläche vorzustellen.
  • Das europäische Kulturprogramm 2007 bis 2013 und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Kooperation oder Mobilität sollen durch das Land in den regionalen Körperschaften bekannter gemacht werden, um Bündnisse zwischen Städten, Verbänden, Künstlergruppen usw. anzuregen.
  • In grenznahen Regionen sollen Projekte zur kulturellen Zusammenarbeit gefördert werden, denn hier wächst das Bewusstsein für ein europäisches Miteinander.
  • Migrantinnen und Migranten sollen vermehrt in die Planung und Durchführung von Kulturangeboten einbezogen werden. Gemeinsame Produktionen und die Öffnung staatlicherseits geförderter Spielstätten sind ein wichtiges Signal.

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Kulturelles Erbe

Es ist dafür Sorge zu tragen, dass historisch gewachsenes kulturelles Wissen nicht verloren geht, sondern den Bürgerinnen und Bürgern bewusst bleibt. Dabei geht es einerseits um eine Bestandssicherung des Historischen, aber auch um das immaterielle Erbe und die Weitergabe des Wissens an junge Menschen. Das kulturelle Erbe lebendig zu erhalten und zugänglich zu machen, ermöglicht die Vergewisserung über die eigene Kultur und schafft Respekt.

Die FDP fordert
  • eine bürgerschaftliche Ausgestaltung des Denkmalschutzes. Das bauliche Erbe und in Jahrhunderten gewachsene Ortsbilder stellen ein prägendes Element unseres Kulturgutes dar. Etwa neunzig Prozent aller Denkmäler befinden sich in Privatbesitz. Um einem schleichenden Verlust entgegenzuwirken, sind die Hürden für den Erhalt zu senken.
  • In Ergänzung der wertvollen Arbeit von Stiftungen zum Denkmalschutz sind bürgernahe Organisationen zu unterstützen. Ihre Beratung kann beitragen, dass Besitzer denkmalgeschützter Bauten nicht zu Opfern allzu enger Vorschriften werden, sondern zu Partnern in der Pflege niedersächsischer Baukultur.
  • Auch immaterielle Werte wie das Wissen um Ausdrucksformen, wie Sprachen, musikalische Überlieferungen oder Traditionen und Bräuche gilt es für nachkommende Generationen zu sichern.
  • Das kunsthandwerkliche Können ist als wichtiges Kulturgut zu sichern und als Quell von Kreativität interessierten jungen Menschen nahe zu bringen. Zur Bewahrung des heimatbezogenen Wissens gehört der exemplarische Erhalt von Kunsthandwerksstätten wie beispielsweise Schmieden oder Buchdruckwerkstätten.
  • Die FDP bekennt sich zur Förderung der Niederdeutschen Sprache. Sie setzt sich dafür ein, dass die eingegangenen Verpflichtungen im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen kontinuierlich weiter umgesetzt werden.

In den letzten Jahrzehnten haben zunehmend auch Filme, Musik und Computer unsere Kultur maßgeblich geprägt. Die Sicherung und Pflege dieser vergleichsweise jungen kulturellen Ausdrucksformen wird zukünftig eine wichtige Aufgabe sein. Besonders die Digitalisierung von Schrift- und Archivgut sowie die Bereitstellung der gespeicherten Informationen im Internet ermöglicht vielen Menschen den Zugriff auf diese Informationen, der ihnen sonst verwehrt wäre.

Die FDP fordert:
  • Da die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen eine technisch und finanziell aufwändige Aufgabe ist, die von den öffentlichen Trägern nicht alleine zu bewältigen ist, sollten in Ergänzung zu wissenschaftlichen Projekten auch Wege der Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen gefunden werden. Im Zuge solcher Kooperationen muss sichergestellt werden, dass in der Folge keine erheblichen Zugangsbeschränkungen aufgebaut werden.

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Kultur und Ökonomie

Kunst und Kultur sind ein Baustein für das Regionalmarketing und ein Motor für die Entwicklung außerhalb der Zentren. Die Förderung von Musik, Literatur, Bildende Kunst und anderer kreativer Bereiche wie Mode und Design ist nicht nur geistige Inspiration sondern garantiert Arbeitsplätze.

Die FDP setzt sich ein
  • für einen fortzuschreibenden niedersächsischen Kulturwirtschaftsbericht. Dieser beleuchtet Wertschöpfungsketten und eröffnet Potentiale für gezielte Fördermaßnahmen. Unterstützenswert sind Existenzgründungen und die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in der Kulturwirtschaft.
  • Kulturtouristische Projekte und Marketingnetzwerke sind auch künftig im Rahmen der niedersächsischen Tourismusförderung zu unterstützen. Bedeutende Kultureinrichtungen und kulturhistorische Schätze verstärken nicht nur die Strahlkraft der Metropolen, sondern sind auch als Anziehungspunkt für Reisende von besonderer Bedeutung für den ländlichen Raum.

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